Markteintritt: Kriterien des Scheiterns

 
Russland
 
Gemeinhin wird Russland aus geopolitischer Sicht bis zum Ural hin als zu Europa gehörig identifiziert. Ebenso werden aus dem westlichen Blickwinkel heraus Etappen der historischen Entwicklung und das seit der Perestroika sich herausbildende gesellschaftspolitische System Russlands als europanah und dem in Westeuropa praktizierten Wirtschaftssystem als nicht unähnlich qualifiziert. Daraus abgeleitet wird eine Nähe zum europäischen Wertesystem.

Doch Russland ist noch immer ein Land im Umbruch: ein Transition Country. Das sind zumeist vormoderne Staaten, die sich aufgrund veränderter Rahmenbedingungen in einem System der doppelten Standards wiederfinden. Rechts- und Vertragskultur, Leadershipverhalten, staatlicher Netzwerkapitalismus und eine kollektivistisch geprägte Gesellschaft sind Kriterien mit denen es sich auseinanderzusetzen gilt.

 

Iran

Auch der Iran unterliegt dem Druck von Transformationsprozessen. Doch nimmt das Land eine Sonderstellung unter den muslimischen Staaten ein, da es derzeit einer der wenigen Gottesstaaten (Islamischer Staat) ist. Ein Land also, das den Islam als Staatsreligion vorschreibt und die Vorrangigkeit der Religion vor Verfassungsprinzipien (Religionsklausel) praktisch verteidigt. Das heißt: die Scharia als nationales Recht vorschreibt.

Das Islamische Recht ist jedoch kein statisches Konstrukt. Es wurde durch die Jahrhunderte immer wieder reinterpretiert und auch umgangen (Vertragsrecht, Waqf, Gerichtswesen u.a.). Doch eine Modernisierung vormoderner ökonomischer Institutionen fand nur zögerlich und verspätet statt.

Auch heute wird das Islamisch Rechtssystem mit Anforderungen konfrontiert, die von technischer, wirtschaftlicher und sozialer Modernisierung ausgehen. Die Frage ist, was diese Sonderstellung (Religionsklausel) des Iran für eine erfolgreiche Transformation in einen modernen Staat bedeutet. War das islamische Recht bisher ein Hindernis auf dem Weg zu einem global wettbewerbsfähigen Land und wenn ja, ist es das noch heute und in welchem Ausmaß?

Zum Einen hat das Land im Verlauf seiner Geschichte Kerninstitutionen, die eine moderne und wettbewerbsfähige Wirtschaft möglich machen nicht im vollen Maßstab zugelassen. Zum Zweiten gelang es nicht im ausreichenden Maß Innovationen selbst hervorzubringen, noch erfolgreich zu kopieren. Strengen Verfechtern des islamischen Rechtes gelang es immer wieder unter Modernisierungsdruck westliche Institutionen zu absorbieren, um sie besser kontrollieren zu können. Moderne westliche Institutionen wurden so verändert und angepasst, dass sie dem Islam als Religion nicht widersprachen, dadurch aber oftmals ihrer Erfolgscharakteristika beschnitten.

Der grundlegende Unterschied zwischen dem Westen und dem Mittleren Osten, und hier kann man den Iran miteinbeziehen, liegt darin, dass der Westen seinen Modernisierungsprozess massiv dadurch vorangetrieben hat, indem er seine Institutionen in Frage gestellt, ja gleichsam unterminiert und somit sich selbst transformiert hat. Im Mittleren Osten hingegen haben sich die Institutionen und wirtschaftlich orientierten Organisationen weitgehend selbst verstärkt, man kann sagen dupliziert. Das ist kein unbekanntes Phänomen in Transformationsprozessen und gilt für eine Reihe von Ländern.

Gründe für eine Stagnation in der Entwicklung werden nicht klar erkannt und benannt

Im Iran wird noch immer die westliche Kolonialisierung als Grund für Rückständigkeit ausgemacht. Diese Ansicht herrscht bei Vertretern der Scharia ebenso vor wie bei Säkularisten. Das islamische System habe und tue dies noch immer ausgezeichnet funktioniert, bis wechselnde Länder eingriffen (Kolonisation) und die Weiterentwicklung des bestehenden iranischen Systems verhinderten. Übersehen wird hierbei, dass sich Institutionen überleben, insbesondere unter globalem Druck. Anstatt dessen zieht man sich vor allem unter den Verfechtern der Scharia auf protektionistische Positionen zurück, die gegen ein Zuviel ausländischer Investition und damit Einfluss gerichtet sind.

Unvollständige Reformen

Seit dem 19. Jahrhundert sind eine Reihe moderner westlicher Organisationsformen in das Iranische System eingeführt worden. Diese brachten natürlicherweise westliche Normen mit sich, die auf eine iranische Gesellschaft mit ihren eigenen traditionellen Normen trafen und sich somit nicht voll entfalten konnten. Westliche Normen aus Sicht mancher Verfechter der Scharia stellten eine Bedrohung gegenüber dem iranischen System dar. Im Ergebnis fand eine nur bruchstückhafte Modernisierung statt.

Gebremste Innovation

Wenngleich Teile der Zivilgesellschaft, oppositionelle Gruppen in der Geschichte des Iran immer wieder aufbegehrt haben und dies aktuell tun, dürfte der Großteil der Bevölkerung in einem autokratischen Regierungssystem verhaftet sein. Das geringe Vertrauen in die eigenen Institutionen fördert Innovation nicht. Das Vertrauen in Fremdes und Unternehmen modernen Zuschnitts ist noch gering. Der Status quo ist eine Staatsbürokratie und soziale Normen, die Kreativität und Flexibilität nicht befördern. Schließlich intensivieren strenge Vertreter der Scharia politische Unsicherheiten und begrenzen in eigenen Interessenssphären Zugang und damit Innovation und Experimentierfreudigkeit.

Auch wenn die Scharia sich immer wieder als sehr pragmatisch in der Anpassung erwiesen hat, Ihre Vertreter gingen nie soweit, als dass eine wirkliche Transformation zugelassen wurde. Was hierbei von Bedeutung ist, ist nicht die Ansicht mancher die meinen, der Iran könne sich nicht selbst seiner Geschichte befreien oder besäße nicht die ausreichende Kreativität und den Mut für eine umfassende Modernisierung. Dem widerspricht ein im 19. Jahrhundert beginnender massiver Modernisierungsschub, der in Richtung der direkt benachbarten Länder ausstrahlte sowie ein Transformation im 20. Jahrhundert, die mit Wachstumsraten im Westen standhalten konnte. Sondern die Feststellung, dass die Tradition in der Geschichte des Iran bisher deutlich mehr Widerstand im Wirtschaftsleben als im öffentlichen politischen Leben gezeigt hat.

 

 

 

Lukrative Märkte, aber äußerst komplex

Das den Markteintritt planende oder bereits im Markt tätige westliche Unternehmen hat im besten Falle eine Strategie erarbeitet und eine Wirtschaftskanzlei an der Hand. Die dauerhaft erfolgreiche Umsetzung der Unternehmensstrategie droht jedoch anhand folgender Kriterien oftmals in Schieflage zu geraten:

CEO & Management

  • CEO/ Management ohne lokale Erfahrung im Markt und in der Führungskultur (Leadership)
  • Fehlgeleitete oder abwesende Marktkommunikation (Shareholder, Stakeholder)
  • Fehlendes Know how der Medienarbeit (Corporate Communications)
  • Abgleiten des CEO/ Managements in die lokal tradierte Geschäftskultur (Compliance)
  • Fehlerhafte Kontrolle und Führung des lokalen CEO durch das Mutterhaus aufgrund von Unkenntnis der Marktmechanismen und -strukturen (Risk Management)

Compliance & Business Ethics

  • Fehlerhafte Umsetzung der durch das Mutterhaus vorgegebenen Complianceregelungen (involuntary window dressing)
  • Mangelnde Identifikation von Risiken bei der due diligence (Risk Management)
  • Unkenntnis im Umgang mit Behörden, "Rechts- und Vertragskultur" (Compliance)
  • Fehlende landestypische Krisenerfahrung & Identifikation sowie Bewertung von Risiken (Risk Management)
  • Ungeeignete Maßnahmen zur Personalrekrutierung, -vergütung, und -entwicklung (HR)

Corporate Governance

  • Unkenntnis der Corporate Governance Modelle
  • Mangelnde Identifikation von Risiken bei der due diligence (Risk Management)